Erbauung des Schlosses.
Es sollte ein weithin sichtbarer prächtiger Profanbau werden, ein „maison de campagne", d.h. Landhaus oder im weitesten Sinne auch Jagd- oder Lust-schloss als Landsitz zu Trippstadt, und zwar am Süd-West-Ausgang des Ortes mit weitem Blick bis zur Sickinger Höhe.
Entworfen wurde das Schloss im Barockstil von dem pfalz-zweibrückischen Baumeister (Architekt) und Geometer (Landvermesser) Sigmund Jakob Haeckher und mit exakt und glatt behauenen Quadern aus rotem Bunt-sandstein, vermutlich aus Steinbrüchen der näheren Umgebung Trippstadts errichtet. Der einflügelig zweigeschossig angelegte Bau ist 48 m lang, 19 m breit und fast ebenso hoch. Faktisch sind außer den zwei Stockwerken noch ein Souterrains (siehe Architektenzeichnung des Grundrisses desselben) mit Wirtschafts- und Kellerräumen sowie ein voluminöses Dachgeschoss unter dem vielflächigen Walmdach mit dem Mansardendach über dem Mittelbau. Kein Wunder, daß in diesem Bauwerk Platz für über 30 Zimmer, ein paar Säle und diverse Wirtschaftsräume vorhanden war.

Aus der Sammlung vom Willi Fallot - Burghardt: Ein Wappenaquarell der Freiherren von Hacke
Foto: Bärbel Fallot - Burghardt ( Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt )
Diese riesige Wohnfläche lässt sich allein schon äußerlich erahnen an den 13 Fensterachsen der Längsfronten, deren Aufgliederung übrigens architektonisch hervorragend gelöst wurde durch die aus der Fassade leicht vorspringenden Gebäudeteile, die sog. Risalite (siehe Bauzeichnung).
Bauzeichnungen vom Sigmund Jakob Haeckher ( Archive: AG-Heimatkunde des Fremdenverkehrsvereins Trippstadt)
Bauzeichnungen vom Buch "Die Kunstdenkmäler von Bayern" im Auftrag des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. - Herausgegeben: vom Landesamt für Denkmalpflege, Regierungsbezirk PFALZ; - Herausgegeben von GEORG LILL- IX. Stadt und Landkreis Kaiserslautern. (Seite 460-461)
Beide Mittelbauten krönt jeweils ein flacher Dreiecksgiebel. Das Frontgiebel-feld ist ausgefüllt mit kunstvoll gehauenen Reliefs. Wie aus der folgenden Abbildung deutlich zu erkennen ist, stellen sie links das Hacke’sche und rechts das Sturmfeder’sche Allianzwappen, geziert mit seitlichem Palmen- und Blumengerank dar. Übrigens sind die beiden Regenbogen des Hacke’schen Wappens im heutigen Trippstadter Ortswappen wieder zu finden. Obwohl der Schlossbau erst im Jahr 1767 endgültig fertig gestellt war, trägt das Spruchband unter dem Wappen die Jahreszahl MDCCLXVI (1766), vermutlich das Jahr des Richtfestes oder der beabsichtigten Fertigstellung. Als Gegenstück zu diesen Skulpturen zeigt das gartenseitige Giebelfeld ein von einer Muschel umgebenes Relief, das Auge Gottes darstellend.
Schloss – Frontgiebel (Foto: Günther Müller)
Außergewöhnlich bemerkenswert für den technischen Fortschrittsgeist des Bauherrn ist eine 1776 auf dem Schlossdach installierte Blitzschutzanlage oder wie es damals hieß eine Wetterleiter, nämlich ein sog. „Hemmerscher Fünfspitz". Er wurde entwickelt von dem zu dieser Zeit als Astronom, Physiker und Meteorologe am Kurfrstlichen Hof in Mannheim wirkenden Johann Jacob Hemmer und war damals der erste seiner Art in der gesamten Kurpfalz und Bayern.
Nach diesem Neun-Jahres-Sprung wieder zurück in das Jahr der Fertig-stellung des Schlosses (1767). Für die in selbigem wohnenden Angehörigen der nicht gerade kleinen freiherrlichen Familie und deren „Gesinde" sowie natürlich auch für die das Schloss umgebenden großzügigen Anlagen, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde, und letztlich auch für die Trippstadter Bürger, die überwiegend in den Hacke’schen Eisenhütten im Moosalbtal recht gutes Brot verdienten und deren Zahl explosionsartig auf über 500 in diesen Jahren anstieg, bedurfte es einer gesicherten Wasserversorgung.
Diese Aufgabe übertrug Franz Carl J. Freiherr von Hacke ebenfalls dem Bau-meister des Schlosses, Geometer S. J. Haeckher im selben Jahr. Er löste diese ingenieurtechnische Aufgabe brillant durch die Anlage eines 365 m langen „Brunnenstollens" – ein über mannshohes und -breites Wasserumleitungs - Tunell im Buntsandstein – am etwas höher gelegenen Quellbach / Judenhübel nordöstlich von Trippstadt. Das so gewonnene Wasser wurde in sog. Deicheln (das sind zu Holzrohren durchbohrte Kiefern- oder Lärchenstämme) durch den Ort geleitet; es speiste fünf Dorfbrunnen, bis es schließlich in die Schlossküche gelangte und im Schlossgarten endete. Der Trippstadter Brunnenstollen ist eine in Westeuropa wohl einmalige Anlage, deren kultur- und technikgeschichtliche Bedeutung erst vor einigen Jahren wieder entdeckt wurde.
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