Dieter Faas, Gutenbrunnerhof

Gutenbrunnen     -    

Gutenbrunnerhof

 

Das einstige  Curbad“ der Freiherren von Hacke 

 

Die schmale Landstraße vom Karlstal kommend vorbei am Oberhammer und am Blickerweiher zum Johanniskreuz führt entlang dem Wiesental der Moosalb, das teilweise auch Hüttental heißt. Kurz vor ihrem kurvenreichen Anstieg am Lauberwald und ein gutes Stück vor der Moosalbspring erweitert sich das Tal und gibt den Blick frei zu den Häusern des Lauber- und des Gutenbrunnerhofes. Während der Lauberhof, das einstige Gut Lovben, diesseits des Baches auf einem Hügel gelegen, sehr alt ist und bereits 1174 als Hornbacher- und dann Eußerthaler Klosterbesitz erstmals urkundlich erwähnt wird, tritt der Gutenbrunnerhof auf der anderen Seite erst im 18. Jh. in Erscheinung.1

1736 werden erstmals Hütten jenseits des Baches erwähnt.2 Es wohnten dort Holzfäller und Kohlenbrenner mit ihren oft vielköpfigen Familien. Auch auf den im Auftrag des Feiherrn Franz Carl J. v. Hacke zwischen 1762 und 1773 erstellten Karten des Amtes Wilenstein sind am Waldrand Hütten eingezeichnet.3 1778 hat sich dies dann entscheidend geändert. Auf einer Karte, die die Kurpfälzische Geistliche Güteradministration anfertigen ließ,4 sind die Hütten verschwunden, und dafür ist das Hackesche “Cur und Bad Hauß“ eingezeichnet und zwar das eigentliche Badhaus, Nebengebäude und der Brunnen.                                   Index-D / Index-GB

Wie alle die vielen, kleinen Territorialherren damals in der Pfalz wollte auch der von 1752 bis 1780 in Trippstadt  residierende Frhr. Franz Carl J. v. Hacke, der Erbauer u.a. von Schloss und Brunnenstollen, seine kleine Herrschaft wirtschaftlich und kulturell aufwerten. Er führte die

 

 

Seidenraupenzucht und neue Baumarten ein, errichtete ein Eisenwerk und so auch der Zeitmode entsprechend ein “Heilbad“. Es wurde ein “guter Brunnen“ gesucht und ein solcher bei den Hütten am jetzigen Gutenbrunnerhof gefunden.5 Ein Heidelberger Medizinprofessor, Fr.G. Schönmetzel, erstellte ein empfehendes Gutachten in Bezug auf “öffnende“ Wirkung des Wassers, und dem Heilbad  Gutenbrunnen, das wohl zwischen 

1773 und 1778 erbaut wurde, stand nichts mehr im Wege.6‘

 Der gefasste Quellbrunnen ist heute noch in Form eines 3 m tiefen, runden, aus behauenen Sandsteinen grob

 gemauerten Schachtes von ca.1 m  Durchmesser mit schwankendem Wasserstand vorhanden. Am Grunde soll sich ein Mauerstein mit der Jahreszahl 1742 befinden. Damals gab es eine ca. 40 m lange Zuleitung vom Brunnen zum Badhaus. Das Wasser wurde sowohl zu Trinkkuren wie zu Bädern benutzt. Das “Curbad“ umfasste zum einen das Badhaus, 22m lang und 10 m breit, einstöckig mit hohem schrägen Dachgeschoss und auf beiden Seiten abgeflachtem Giebel, desweiteren ein heute noch vorhandenes Vorratsgebäude mit schönem Sandsteingewölbe, eine Art Quellhütte und eine Auslaufanlage in den Wiesen. Über die innere Einrichtung des Badhauses hat der Heimatforscher Prof. Dr. Häberle 1909 anhand des noch vorhandenen Dachgeschosses folgendes recherchiert: “Ein mit der Treppe in Verbindung stehender, etwa 1,10 m breiter Gang durch­zog es in seiner ganzen Länge und vermittelte den Zugang zu 14 kleinen Gelassen - anders kann man die unter dem schrägen Dach befindlichen 3m langen und 2 1/2 m breiten Räume nicht bezeichnen - die auf beiden Seiten verteilt, einen Menschen notdürftig beherbergen konnten. Anscheinend waren dies die Schlafräume für die Badegäste, während die größeren Räume zu ebener Erde zum Aufenthalt bzw. zu Badezwecken bestimmt waren.“7

Der anfänglich wohl recht lebhafte Badebetrieb dauerte nicht lange an. Spätestens mit der Flucht der Familie v. Hacke 1793 über den Rhein war das Ende gekommen, und in das Badhaus zog, wahrscheinlich bereits um 1785, der für den Lauber- und  Aschbacherwald  zuständige ehemalige Hackesche Jäger und danach “Förster zu Pferd“ Stephan  Weisenauer mit Familie, Forstknecht, Magd und Stallknecht ein.   Er blieb dort auch als königl. bayerischer Revierförster bis zu seinem Tode 1824, dann wurde das Haus an zwei Familien verkauft, die eine Scheidewand einzogen und zwei Wohnungen einrichteten. Erst vor ca. 35 Jahren wurde das Badhaus abgerissen. Die Grundmauern sind, teilweise überbaut, heute noch zu erkennen.

 Ab Mitte des 19. Jh. wurden um das Badhaus weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet, teils von den dort schon wohnenden, teils von neu zugezogenen Familien, meist Ackersleute. Aus dem Hackeschen “Curbad Gutenbrunnen “ entwickelte sich die Waldbauernsiedlung “Gutenbrunnerhof“.

Der  Ouellbrunnen diente noch längere Zeit zur Trinkwasserentnahme, aber es war bekannt, dass Wanderer und andere Fremde, die daraus tranken, Bauchbeschwerden bekamen, während die Einheimischen angeblich nichts bemerkten. Spätere Wasseranalysen, die seit 1900 immer wieder veranlasst wurden, erbrachten keine besondere Heilkraft des Wassers, wohl aber einen außergewöhnlich hohen Eisen-, Aluminium- und Mangangehalt. Das Landesamt für Wasserwirtschaft stellte 1994 u.a. fest, dass die Zusammen­setzung des Wassers in keiner Weise typisch für die Grundwasserlandschaft “Buntsandstein“ sei, dass es aber keine Trinkwasserqualität habe.8

 Seit Jahren bestehen Pläne, den historischen Brunnen wieder herzurichten, evtl. einen Brunnenstock aufzurichten und das ganze zu überdachen, aber die sicher wünschenswerte Verwirklichung lässt auf sich warten.

 Quellen                                                                                                                    

 Index-D / Index-GB

 1)       H.W.Hermann: Geschichte der Grafschaft Saarwerden, Bd. 1, 1957 und GLA Karlsruhe, Selekt C 65  

 2)   Kath. Kirchenbuch v. Trip pstadt u. Trip pstadter Bürgerbuch v. Heinrich Haas, 1993

 3)         ‘Geometrische Graencz Carte über das Hoch freiherrlich von Hackische Amt Wilenstein“ von Sigm und Joseph Häecker, 1762, und Neuzeichnung u. Ergänzung von Peter Dewarat, 1773

 4) “Grundriß über den zur Probstei Eußerthal gehörigen Lauberhof“ von dem Renavator Bürger, 1778

 5)   Prof. Dr. Häberle verweist in seinen Veröffentlichungen 1909 u. 1912 noch auf folgende “Gutenbrunnen“ hin: Bei Edenkoben, Rockenhausen und vor allem Wörschweiler, sowie den Gutenbrunnerhof bei Zweibrücken.

 6)         Fr.G.Schönmetzel “Beschreibung des Gesundbrunnens in dem Frevherrlich von

Hackischen Orte Trip pstadt“. Erwähnt in Wun dt‘s Pfälzische Biographie Bd. 1, 5.75 u.Bd.lIl

 7)   Prof. Dr.Häberle in “Der Gutenbrunnerhof, ein vergessener Badeort bei Trip pstadt“, 1909

 8)   Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz - Hvdrochemische Untersuchung des Gutenbrunnens vom 3.11.1994