War  der Brunnenstollen ( Wasserumleitungstunnel ) ein Zufallprodukt?

Die Eisenindustrie hatte sich weiterentwickelt,  die Bevölkerungszahl stieg im Jahre 1764 auf ca. 500 Einwohner.

 In dieser Zahl waren uneheliche Kinder, Ungläubige u.ä. nicht enthalten. Der Reichtum der Familie Hacke hat dadurch ein hohes Niveau erreichtDie 2 Brunnen und andere Anlagen, wie Hausbrunnen oder ähnliche, deckten jedoch den notwendigen täglichen Wasserbedarf nicht ab.Einer der Söhne von Anton Ludwig Freiherr von Hacke, Franz Carl Josef Freiherr von Hacke, hatte nach dessen Tod  Trippstadt und die Annexen  übernommen. 1764 ließ er auf seinem Anwesen ein Lustschloß mit Garten im Barockstil bauen.Der Barockgarten mit seinen Wasserspielen sollte das Schloß noch attraktiver machen.

»»»»Freiherr Carl Theodor von Hacke ( Aquarell von Wilhelm Kobell, Orginal im Reißmuseum Mannheim )

Die fachtechnischen Vermessungen, oberirdischen Absteckungen (Markierungen) und viele andere Mosaiksteinchen aus alter Literatur,  geben uns den Hinweis, daß der Brunnenstollen/Tunnel und das Schloß von Architekt und Landvermesser Sigmund Jacob Haeckher aus Zweibrücken bis ins letzte Detail geplant und ausgeführt worden sein müssen. Wie bereits erwähnt, war in dieser Zeit die Wasserversorgung der Bevölkerung ein großes Problem. Unser "Brunnenstollen!" war kein Zufallsprodukt .
Die ältesten Tunnelbauten der Geschichte haben der Wasserver-sorgung gedient und sowohl bei dem durch König Hezekiah           (725 - 696 v. Chr.) für Jerusalem errichteten Tunnel, als auch bei dem im 6. Jahrhundert v. Chr. durch Eupalinos für Polykrates gebauten Tunnel auf Samos, hat das  Gegenort-Verfahren seine

 Anwendung                            »»»»

 gefunden, genau wie bei unserem „Brunnenstollen“.- der ja in Wirklichkeit kein Stollen, sondern ein echter Tunnelbau ist- Zitat von Dr. Klaus Grewe -Rheinisches Amt für Bodendenk- malpflege

Während des römischen Zeitalters wurden in Deutschland sämtliche Wasserversorgungsanlagen nach dem Qanat-Verfahren (Lichtloch-verfahren) gebaut.Diese Kulturbauwerke haben von der Planung bis zur Ausführung viel Zeit in Anspruch genommen und viel Geld gekostet. Einige reiche Bauherren

 hatten dadurch ihr ganzes Vermögen verloren.    Qanat - Verfahren »»»»

(Literatur: Klaus Grewe, "zur Geschichte des Wasserleitungstunnels", in: Antike Welt, 2. Sondernummer, 1986, 65 - 76 )  

Aufgrund der in der Anlage gemachten Beobachtungen und Vermessungen kann man von nachfolgender Hypothese ausgehen:

Der Umleitungstunnel sollte das Wasser vom Quellbachtal zur bestehenden Wasserleitung im Judenhübeltal bringen. Damit sollte eine zweite Leitungstrasse gespart werden.
Die ganze oberirdische Vermessung mit Ein- und Auslaufhöhenbestimmung und Profil muß auf dieser Basis gelaufen sein.
Bei dieser planmäßigen Ausführung wäre der Umleitungstunnel sogar bis zu 15,0 m kürzer geworden.
Nach oben Einleitung Rückblick Es  stellte sich die Frage Tunnel_Stollen Begehung Daten Trippstadter Schloss Was ist Thrake Index


Die Baumassnahme wurde nach dem  Gegenort-Verfahren, also dem Vortrieb von zwei Seiten (Quellbachtal Eingang und Judenhübel Auslauf) ausgeführt. Bei den Vortriebsarbeiten hat man sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nach den Felsschichten orientiert und das Tageslicht sollte für die Einhaltung der Richtung immer zu sehen sein (wie in der Antike).
Also waren die Vortriebsarbeiten und die Richtungsorientierung von beiden Seiten nicht einfach.

Der Vortrieb wurde nach der Ausbauart "Hauen" und mit kontrollierten Sprengungen ausgeführt.
Die Querschnittsgestaltung gibt uns den Hinweis, daß diese  Anlage nur 

von sachkundigen Fachleuten wie Steinmetzen u.ä. gebaut und von einem Ingenieur geplant und überwacht wurde.

 Die von der Nordseite (Quellbachtal) her arbeitende Gruppe hat ihre Richtung (natürlich in Fels) in kürzeren Abständen insgesamt in einer Länge von 115,20 m, 13 mal korrigiert die Gruppe von der Südseite (Judenhübel) in einer Länge von 82,67 m, 9 mal.
Die Kurskorrektur läßt uns erkennen oder erahnen, daß trotz unübersichtlicher Bebauung eine auf den Meter genaue Vermessung und Einweisung der Richtungen vorgelegen hat.
Dies kann man anhand von Vermessungszeichnungen in der Anlage nachweisen. Die Aufrisse von der Höhlenforschergruppe Karlsruhe als auch unsere fachtechnische Vermessung lassen erkennen, daß die Vortriebsarbeiten von der Nordseite nach 115,20 m, von der Südseite nach 82,67 m gestoppt wurden. Nach den Berechnungen und den in den Sandstein eingemeißelten Meßpunkten sollten beide Vortriebe hier zusammentreffen.

Die Aufrisse geben uns deutliche Hinweise dafür, daß an dieser Stelle beide Baulose nur ca. 2,0 m auseinander lagen.

An dieser Stelle erfolgten für die Facharbeiter einige neue Anweisungen (in der Zahl 4), um die beiden Baulose zu verbinden.

  «««Solche Schwierigkeiten hat man laut Literatur schon im 6. Jahrh. v. Chr. und danach in der Römerzeit immer wieder gehabt.

Diese zum Erfolg führenden Arbeiten lassen uns erahnen, daß trotz großer "Ungewissheit" der Fachleute die beiden Baulose zusammentrafen.

Diese Arbeiten haben zum Teilerfolg aber auch zu einer großen Enttäuschung geführt, denn an der Durchbruchstelle hat man festgestellt, daß die Sohle auf der Nordseite (Quellbachtal) ca. 1,o m tiefer als die an der Südseite (Judenhübel) lag. Wie schon erwähnt, geben uns der Lageplan und der Längsschnitt der Anlage zu erkennen, daß die Sohlenhöhe vor der Tieferlegung des Bauloses auf der Südseite für die Höhenlage der bestehenden Wasserversorgungsleitung bestimmt war.

( Fotos:Schacher geol. Institut Heidelberg  Re. u. Li.)

  ««« Baulos  von der Südseite (Judenhübel)


 Natürlich haben die Felsschichten an der Sohle und den Firsten zum Teil der Orientierung gedient und haben auch in dieser Sache eine große Rolle gespielt. An dieser Stelle dürfen wir Erdformationen nicht vergessen.
Die Restarbeiten (z.B. die Sohle tiefer legen und Verlängerung des Hauptsammlers) in den Baulosen waren für die Fachleute der verschiedenen Branchen nun kein Problem mehr.
Die Verlängerung des Hauptsammlers in beiden Richtungen und die Überbauung der Sauger (Wasseraustrittstellen, Quellen) wurden in offener Bauweise in Trockenmauerform (ohne Fugenmörtel) mit Gewölbeabdeckung gebaut.

Anschließend wurde die zweite Wasserleitungstrasse zum Dorf bzw. zum Schloß notwendig.
An diese Leitung wurden die Verteilerkammer (Hauptstraße 77), der Löwenbrunnen, der Schulbrunnen am Rathaus, der

  Schloßbrunnen, die Schloßküche, die über eine weitere Verteilerkammer versorgt wurde und letztendlich der Schloßgarten angeschlossen. (s. Lageplan v. Polizeiwachtmeister Paul Kallenbach).

Foto: Schacher, Geol. Institut Heidelberg »»»» (Ausgang am Judenhübel)

 Wie in den vorhergehenden Kapiteln erwähnt, waren die Vortriebrichtungen unterschiedlich. Die Nordseite (Quellbach) hatte eine fallende Vortriebsneigung, die Südseite (Judenhübel) dagegen eine steigende. Die ing.-techn. Untersuchungen haben gezeigt, daß die Südseite bedingt durch die fehlende Vortriebsneigung keine Wasserhaltung benötigte, der Vortrieb von der Nordseite hingegen eine Wasserhaltung haben mußte. Dies könnte wie folgt rekonstruiert werden: Durch Freilegung des gesamten Saugergeländes hat man festgestellt, daß das meiste Wasser aus dem 2. Saugerbereich floß.
Daraufhin wurden einige Gräben und Dämme gebaut, damit sich das Wasser nicht in den Vortriebstellen drängen konnte. Dies wurde mir durch Wassermengenmessungen in diesem Anlagenteil bestätigt.

 

Die gemessene Wassermenge aus den Jahren 1991 - 1994 hinter dem Sauger am Vortriebanfang war gleich groß wie am Vortriebende - Nord. * Trockenwetterabfluß 0,2 l/sec. * Regenwetterabfluß ca. 5,0 l/sec. April 1998 8,0 l/sec.

An der Querschnittgestaltung und den Aufrissen in diesem Baulos läßt sich erkennen, daß die Vortriebsarbeiten nur im Trockenen durchgeführt worden sind. Ansonsten wäre die Anlage nicht fertiggestellt worden.

                                        Foto: Schacher geol. Institut Heidelberg »»»»

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